Unterdach, Konterlattung und Dachlatten – was die Schichten unter der Eindeckung leisten
Wer ein Steildach saniert, sieht zunächst nur Ziegel oder andere Eindeckungen. Darunter liegen jedoch mehrere Schichten, die zusammen Feuchte, Wind und Lasten abfangen. Unterdach, Konterlattung und Dachlatten bilden das Bindeglied zwischen Dämmung und Eindeckung und entscheiden mit darüber, ob ein Dach langfristig dicht und funktionsfähig bleibt.
Warum diese Schichten mehr sind als Zubehör
Im Dachdämmungs-Ratgeber wird der Dachaufbau als Ganzes beschrieben. Die hier betrachteten drei Schichten sind darin nur angerissen, haben aber eigene Aufgaben:
- Sie leiten Lasten aus Schnee und Wind ab.
- Sie sorgen dafür, dass eventuell eingedrungene Feuchtigkeit kontrolliert abtrocknen kann.
- Sie schaffen die Ebene, auf der die Eindeckung befestigt wird.
Ohne eine fachlich passende Ausbildung dieser Ebenen können Dämmung und Innenausbau langfristig Schaden nehmen, auch wenn die Eindeckung selbst intakt wirkt.
Das Unterdach – zweite Haut unter den Ziegeln
Das Unterdach liegt unterhalb der Konterlattung und oberhalb der Sparren- oder Aufsparrendämmung. Es übernimmt im Steildach zwei zentrale Funktionen:
- Regensicherheit: Wasser, das durch die Eindeckung treibt, oder Schmelzwasser wird nach außen abgeführt.
- Winddichtheit: Es verhindert, dass Außenluft in die Dämmung geblasen wird und deren Wirkung mindert.
Es gibt unterschiedliche Ausführungen:
- Unterspannbahnen – diffusionsoffene Bahnen, die auf den Sparren verlegt werden.
- Unterdeckbahnen – höherwertige Bahnen, die auch bei dichterer Eindeckung zusätzlichen Schutz bieten.
- Vollschalungen mit Bitumen- oder Kunststoffbahnen – bei höheren Anforderungen an Schlagregen oder bei Aufsparrendämmung mit geschlossener Schalung.
Welche Variante möglich ist, hängt von Dachneigung, Eindeckungsmaterial und den Anforderungen an Feuchte- und Windsicherheit ab.
Wann das Unterdach erneuert werden muss
Eine Erneuerung des Unterdachs wird relevant, wenn
- die Eindeckung ohnehin neu gedeckt wird und das Unterdach bereits die maximale Lebensdauer erreicht hat,
- bei einer Sanierung Feuchtebefunde an Sparren, Dämmung oder Innenbekleidung festgestellt werden,
- eine Aufsparrendämmung geplant ist und das vorhandene Unterdach nicht zu den Anschlüssen der neuen Dämmebene passt,
- Übergänge an Dachfenstern, Gauben oder Kaminen erkennbar undicht sind.
Die Konterlattung – belüftete Ebene zwischen Unterdach und Eindeckung
Die Konterlattung liegt parallel zu den Sparren, also quer zur späteren Eindeckung, und bildet den Abstand zwischen Unterdach und Dachlatten. Sie erfüllt damit zwei Aufgaben:
- Sie schafft eine Belüftungsebene, in der Luft von Traufe zu First strömen kann.
- Sie befestigt das Unterdach sicher am Sparren und nimmt die späteren Lasten auf.
Für eine funktionierende Belüftung müssen Öffnungen an Traufe und First vorhanden sein; nur eine vorhandene Konterlattung allein garantiert noch keine ausreichende Hinterlüftung. Die Höhe der Konterlattung richtet sich nach Dachneigung, Sparrenlänge und den Anforderungen der jeweiligen Dachkonstruktion.
Wann die Konterlattung erneuert werden muss
Eine Erneuerung steht an, wenn
- Holzschäden, morsche Stellen oder mechanische Verformungen sichtbar sind,
- die Befestigung von Unterdach oder Dachlatten nicht mehr haltbar ist,
- bei einer energetischen Sanierung die Belüftungsebene verändert oder vergrößert werden soll,
- im Zuge einer Neueindeckung ohnehin alle Lattungslagen ausgetauscht werden.
Die Dachlatten – Träger der Eindeckung
Auf den Dachlatten liegt die eigentliche Eindeckung. Sie tragen Ziegel, Betondachsteine oder andere Materialien und übertragen deren Last in die Konterlattung und damit in den Dachstuhl. Der Lattenabstand richtet sich nach dem Eindeckungsmaterial und der jeweiligen Decklänge.
Wichtige Punkte bei Auswahl und Einbau:
- Holzqualität und Holzschutz müssen zur vorhandenen Konstruktion passen.
- Die Lattenstärke muss auf die zu erwartenden Lasten aus Schnee und Wind abgestimmt sein.
- Anschlüsse an Dachfenster, Kehlen und Ortgänge erfordern besondere Zuschnitte und Befestigungen.
Wann Dachlatten erneuert werden müssen
Eine Erneuerung ist meist Teil einer ohnehin geplanten Neueindeckung und wird auch dann relevant, wenn einzelne Lattenstellen beschädigt sind – etwa durch Feuchte, mechanische Einwirkung oder unsachgemäße Befestigung. Beim Austausch sollte die Ebenheit der Lattenebene kontrolliert werden, weil Unebenheiten die Dichtigkeit der Eindeckung beeinträchtigen.
Zusammenspiel mit Dämmung und Feuchteschutz
Die Schichten unter der Eindeckung stehen nicht für sich allein:
- Die Dämmung – ob zwischen oder über den Sparren – beeinflusst die bauphysikalischen Anforderungen an das Unterdach.
- Eine funktionierende Luftdichtheit auf der Raumseite ergänzt die Winddichtheit des Unterdachs.
- Dachfenster, Gauben und Kamine sind klassische Schwachstellen, an denen Unterdach, Konterlattung und Dachlatten sauber angeschlossen werden müssen.
Eine sinnvolle Reihenfolge bei größeren Vorhaben ist daher: Bestand aufnehmen, geplante Dämmung festlegen, dann die Schichten unter der Eindeckung auf den vorhandenen und künftigen Aufbau abstimmen.
Was bei der Sanierungsplanung zu klären ist
- Welche Eindeckung ist geplant, und welche Anforderungen ergeben sich daraus für Unterdach und Lattung?
- Wird die Dämmung erneuert oder verändert, und welche Schnittstellen entstehen?
- Welche Anschlussdetails sind an Dachfenstern, Gauben und Kaminen vorhanden oder neu herzustellen?
- Welche Befunde – etwa Feuchte oder Holzschäden – sind bereits dokumentiert, und welche müssen noch untersucht werden?
Wer sein Dachvorhaben in Berlin plant, kann die eigenen Angaben und Fragen zum Aufbau unter bündeln und im nächsten Schritt mit einem Fachbetrieb abstimmen. Ergänzend hilft es, vorab festzuhalten, welche Schichten erhalten bleiben sollen und welche erneuert werden müssen – das erleichtert die spätere Angebotsauswertung.
Kurz zusammengefasst
- Unterdach: zweite Regen- und Windsicherheit unter der Eindeckung.
- Konterlattung: Belüftungsebene und Befestigung des Unterdachs.
- Dachlatten: Träger der Eindeckung und Grundlage für Anschlussdetails.
- Erneuerung: meistens sinnvoll im Zuge einer Neueindeckung oder wenn Befunde an Holz, Dämmung oder Anschlüssen vorliegen.
Eine Sanierung lässt sich an diesen drei Schichten gut ablesen: Wer hier sorgfältig plant, schafft die Voraussetzung dafür, dass Dämmung, Feuchteschutz und Eindeckung dauerhaft zusammen funktionieren.